Hallo meine Freundinnen und Freunde!

Mein Name ist Jenny, ich bin zur Zeit 20 Jahre alt und das ist mein Blog.
Hier geht es um meine Gedanken zu ökologischen Themen wie Umweltschutz, Tierschutz, Vegane/Vegetarische Lebensweise und vieles mehr.
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Ich möchte niemanden meine Meinung aufzwingen und tolleriere andere Ansichten, solange sie nicht diskriminierend, beleidigend oder anderwältig verfassungsfeindlich sind.
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Samstag, 6. Oktober 2012

"Unseren Hähnchen geht es gut" - Eine Analyse des Spiegel-Gespräches mit Peter Wesjohann


Im Spiegel Nr.39/2012 habe ich ein Interview mit dem Chef von Wiesenhof (PHW), Peter Wesjohann, gefunden und gedacht, dass es euch möglicherweise interessieren könnte. Da ich den Artikel aus rechtlichen Gründen hier natürlich erstmal nicht veröffentlichen darf, werde ich euch die aus meiner Sicht am Interessantesten und Kontroversesten Momente dieses Gespräches vor Augen führen und analysieren.
Eingeleitet wird das Gespräch mit einigen Allgemeinen Informationen über das Unternehmen. Der Marktführer habe die industrielle Massentierhaltung in Deutschland groß gemacht und sei deswegen die Hauptzielscheibe von Organisationen, Ökoverbänden und Parteien. Diese Annahme bestätigen auch einige Berichte von Organisationen wie Peta. (Wiesenhof Skandal 2010, 2011, 2012). PHW beschäftige 5300 Mitarbeiter und habe einen Umsatz von ca. 2,2 Milliarden Euro im Jahr, wobei die Marke Wiesenhof und "das Geschäft mit dem Geflügelfleisch" der wichtigste Umsatzbringer sei. Kontrollen seinen sehr wichtig im gesamten Produktionszyklus, da das Unternehmen hauptsächlich von selbstständigen, externen Betrieben produzieren lässt. Die harten Zahlen sind: jedes Jahr sterben für Wiesenhof allein 240 Millionen Hühner, also jede Stunde ca. 27.000 Tiere.
Eingeleitet wird das Gespräch mit der Frage, wann Herr Wesjohann zum 1. Mal die Zucht-und Schlachtbetriebe des Familienunternehmens, welches von seinen Vater Paul-Hanz Wesjohann gegründet wurde, gesehen habe. Wann genau wisse er nicht, aber er meinte, das sein Vater seinen Sohn vor einem Jahr alles gezeigt habe. Sein Sohn sei "Dadurch nicht zum Vegetarier geworden. Im Gegenteil, er war begeistert." Wie darf man diese Aussage verstehen? Ein Kind sieht, wie Tiere in extremer Enge, unter schlechten Bedingungen aufwachsen und später grausam sterben müssen - und findet es gut? Ich finde es schwierig, dieser Aussage Glauben zu schenken, bzw. anzunehmen, ob der Papa Paul die Tatsachen seinem Sohn auch richtig klar gemacht hat. Der Verbraucher soll scheinbar annehmen, wenn ein Kind das nicht schlimm findet, ist da auch nichts schlimm. Ich habe jedoch genug Gründe (siehe verschiedene Berichte) dies anzuzweifeln.
Die nächste Aussage Wesjohanns, die ich für sehr interessant halte, ist folgende: "Das Tier liegt uns von Grund auf am Herzen." Zudem argumentiert er damit, dass es den Landwirten eher schaden würde, wenn sie ihre Tiere schlecht behandeln. Ich frage mich jedoch - Wenn ihm die Tiere denn so am Herzen liegen, warum ist er denn so stolz darauf, dass er sich punktgenau an die deutschen Richtlinien für konventionelle Intensivtierhaltung hält? Nach diesen Richtlinien haben die Hühner nicht mal ein A4 Seite für sich allein, von Freigang, Sitzstangen usw. ganz zu schweigen. Jedem sollte klar sein, dass es sich hierbei nicht mal ansatzweise um artgerechte Tierhaltung handelt. Der PHW-Chef beruft sich jedoch im Laufe des Interviews immer wieder stolz genau hierauf.
Die Bio-Sparte, die Wiesenhof seit einiger Zeit bedient, kommt ebenfalls zur Sprache. Die Tiere haben mehr Auslauf, bekommen Öko-Futter, jedoch sei das Geschäft für Wiesenhof nicht besonders erfolgreich. In Wesjohanns Augen lieg dies an der geringen Nachfrage der Bevölkerung, jedoch hält der Spiegel-Interviewer mit dem Fakt, das Bioläden den Bedarf kaum doch decken können, dagegen. Die These, das es eher daran liegt, dass kein Bioladen mit Wiesenhof kooperieren möchte, schiebt Paul Wesjohann zur Seite und antwortet eher zusammenhangslos mit folgender Aussage; "Also ich würde gerne an die Bio-Supermärkte verkaufen und kann nur jeden einladen, sich bei uns zu melden. Unsere Bio-Hühner wurden nach EU-Zertifizierung  großgezogen. Daran kann´s nicht liegen." Dass es nicht immer nur um den Willen seines Unternehmens geht, scheint er nicht zu verstehen.
Als der Wiesenhof-Chef auf die Verantwortung und Aufgabe zur Erziehung der Konsumenten angesprochen wird, zieht er sich rasch zurück. "Ich kann den Leuten verschiedene Angebote machen. Das tue ich ja auch. Aber sie überschätzen unseren Einfluss dann doch." Als Unternehmer müsste er aber wissen, dass wenn den Konsumenten kein Billig-Qual-Fleisch mehr geboten wird, sie auch zu teurerem Biofleisch greifen werden. Alles ist eine Frage des Angebotes. Jedoch schein Wiesenhof nicht daran interessiert zu sein, kurzfristige Umsatzverluste für ein besseres Tierleben in Kauf zu nehmen. Warum auch?- Es geht ja schließlich ums Geld...
Wiesenhof.de
Einige Konsumenten wissen ja auch garnicht, was da hinter geschlossenen Toren passiert. Von den Fleischproduzenten wird den Kunden Bauernhofidylle vorgegaukelt. Wesjohann schließt sein Unternehmen jedoch da aus. "Wir bedienen dieses Bild schon lange nicht mehr, sondern zeigen auch auf unserer Homepage, wie die Ställe aussehen." Wenn wir jedoch den Namen Wiesenhof hören oder uns das Logo im Bauernhauslook ansehen, erkennen wir klar das Wiesenhof auf jeden Fall noch das Bild der Idylle bedienen möchte. Von den konventionellen Intensivställen konnte ich nichts auf der Homepage finden, nur ein wenig über die Bio-Haltung. Deswegen habe ich bereits eine Anfrage an Wiesenhof gesendet. Mal sehen ob sie sich melden...
Die Nähe zu den Bürgern, auch zu den Kritikern, scheint dem Chef in 2. Generation besonders wichtig zu sein. Kritische Werder-Fans und Peta-Mitarbeiter lade er gerne ein, sich die Ställe anzusehen. Für mich war dies Anlass, in meiner Anfrage ebenfalls die Bitte einzufügen, mir einen Stall und/oder Schlachtbetrieb ansehen zu dürfen. Wir werden dann ja sehen, wie Volksnah das Unternehmen wirklich ist.
Die schlimmen Bilder, die in den Peta Berichten immer wieder zu sehen waren, seinen Einzelfälle und alle Hühnchentreter und Qualschlachter bereits entlassen. "(..)man kann nie ganz verhindern, dass gelegentlich Fehler passieren.", so Wesjohann. Und das obwohl alle Betriebe angeblich so oft und akribisch kontrolliert werden.
Kontroverse Themen der Massentierhaltung weicht Wesjohann aus. Das grausame Schnabelstutzen der Hühner kommt zur Sprache, doch wenn es nach dem Unternehmenschef geht, sind die Tier quasi selber Schuld, "weil die Tiere sich sonst untereinander verletzten können." Das ist nicht falsch, leider kommt jedoch nicht zur Sprache, dass die Tiere das Problem nur wegen der akuten Platznot haben. Wenn die Tiere Platzangst haben, wehren sich sich gegen ihre Artgenossen - logisch. Das Problem will Wesjohann jedoch nicht etwa durch mehr Platz lösen. Nein, die Züchter sollen dieses Problem in den Griff bekommen. Also Hühner mit Krüppel-Schnäbeln züchten. Nicht der Mensch soll sich an die Natur, sondern die Natur an den Menschen anpassen. So scheint es Wesjohann zu sehen.
Allgemein sei die ganze Debatte um die Massentierhaltung viel zu emotional, sie solle sachlicher werden. Wenn man über Leben und Tod entscheidet, halte ich persönlich es jedoch nicht für sinnvoll, frei von jeder Emotion zu sein. Und auch so, die meiste Kritik sei völlig an den Haaren herbei gezogen und habe mit der Tierhaltung nichts mehr zu tun. Wiesenhof sei ein vorbildliches Unternehmen, hat bessere hygienische Bedingungen als in den meisten Krankenhäusern und den Hühnern geht es einfach nur gut. Woher der PHW-Chef das weiß, weiß ich nicht. 
Natürlich möchte ich hier niemanden unterstellen, dass die ganze Unternehmensphilosophie von glücklichen Hühnern und Nachhaltigkeit eine große Lüge ist. Schließlich hat der gute Herr Wesjohann "Verantwortung gegenüber seinen 5300 Beschäftigten" und muss sich den ganzen Stress mit den Kritikern nicht auch noch antuen.

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Die Rechte für das Interview und dessen Inhalte liegen vollständig bei dem "Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG".
Meinungen und Kommentare sind von mir.
Interview ist entnommen aus dem Spiegel Nr.39 vom 24.09.2012

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