Hallo meine Freundinnen und Freunde!

Mein Name ist Jenny, ich bin zur Zeit 20 Jahre alt und das ist mein Blog.
Hier geht es um meine Gedanken zu ökologischen Themen wie Umweltschutz, Tierschutz, Vegane/Vegetarische Lebensweise und vieles mehr.
Ich bin stets zu konstruktiven Diskussionen bereit, ja sogar erfreut, auch wenn ihr eine andere Meinung habt als ich.
Ich möchte niemanden meine Meinung aufzwingen und tolleriere andere Ansichten, solange sie nicht diskriminierend, beleidigend oder anderwältig verfassungsfeindlich sind.
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Dienstag, 23. Juli 2013

Die Freiheit Fleisch zu essen - Ein Gastbeitrag von Marc

Mein lieber Marc hat mal wieder einen sehr guten Artikel geschrieben, den er auch auf Freitag.de veröffentlicht hat. Er zeigt einen sehr interessanten neuen Blickwinkel über Massentierhaltung auf und ich finde es sehr passend, weswegen ich ihn bat, den Artikel auch hier veröffentlichen zu dürfen.
Und zack, hier ist er. :)

 

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Massentierhaltung. Fleisch wird gern gegessen und steht fast täglich auf unserem Tisch. Das meiste davon wird in Massentierhaltung produziert, doch ist das mit unseren Werten vereinbar? 

Vor fast einer Woche war ich bei einer Filmvorführung mit anschließender Diskussion der grünen Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt. Gezeigt wurde die Dokumentation "Nie wieder Fleisch?" von Jutta Pinzler. Sie zeigt mit ihrem Film die Produktion des Fleisches in der Massentierhaltung und welche Konsequenzen diese für die Umwelt, Tiere und den Menschen hat.
Ich weiß sehr viel über das Thema, so dass der Film mir nichts wirklich neues vermitteln konnte, doch ein paar Tage später kam mir dazu ein interessanter Gedanke, der mich nicht mehr los ließ:

Ist diese Art der Fleischerzeugung überhaupt mit unseren Werten und unserem Grundgesetz vereinbar?

Bei dieser Frage soll es mir vor allem um die Folgen für die Menschen gehen. Der Tierschutz ist als Staatsziel zwar auch im Grundgesetz verankert, weshalb man auch in dieser Hinsicht gegen das Grundgesetz verstoßen kann, doch findet dieser Schutz im Rahmen des Tierschutzgesetzes statt. Dieses legalisiert allerdings die Praktiken der Massentierhaltung und müsste dringend novelliert werden, um dagegen wirksam zu werden. Das ist aber ein anderes Thema und soll hier nicht weiter besprochen werden.

Es geht mir also um die Menschen. Der Artikel, auf den sich meine Hypothese der Unvereinbarkeit von Massentierhaltung und Grundgesetz stütze, ist Artikel 2. Dieser besagt, dass jeder "das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit [hat], soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen verfassungsmäßige Ordnung oder Sittengesetz verstößt". Weiter heißt es: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit."

Die Folgen der Massentierhaltung für den Menschen
Im Film werden viele Beispiele dafür gezeigt, welche Auswirkungen die industrielle Fleischherstellung hat. Ich will hier nur ein paar davon nennen, von denen ich denke, dass sie die Freiheit und Unversehrtheit der Menschen in Deutschland und der Welt verletzen.

Fangen wir mit Südamerika an. Dort nehmen große Konzerne wie Monsanto den kleinen Bauern die berufliche Existenz, vergiften die Böden mit Pestiziden und sorgen für steigende Zahlen bei Krebserkrankungen oder Kindern mit Fehlbildungen. In der Doku wird eine Mutter gezeigt, deren Kind durch Pestizide vergiftet wurde und später starb. Sie war die einzige, in ihrem Land, die je dagegen vorgegangen ist und Anklage erhoben hat - sie verlor.

Im Zweiten Beispiel geht es um Afrika. Dorthin wird ein großer Teil an deutschem Fleisch exportiert. Zumeist handelt es sich um Reste, für die sich die Verbraucher in Deutschland zu schade sind. Hühnerfleisch wird dort für umgerechnet ca. 50 Cent verkauft. Ein Huhn das von Bauern vor Ort aufgezogen, geschlachtet und verkauft wird, kostet etwa sechs Euro. Hier werden lokale Märkte zerstört und deutsche und europäische Großbetriebe profitieren davon. Ein sehr unsympathischer Mann der EU-Kommission, der im Film interviewt wurde, ist der Meinung das ist richtig so. Schließlich geht es ja um das Wachstum Europas. Am schönsten ist dann immer, wenn er behauptet, dass der Markt das schon regeln wird.

Beim letzten Beispiel möchte ich dann auf Deutschland eingehen. Zwei Probleme mit denen wir direkt vor Ort zutun haben, sind die Entstehung Antibiotikaresistenter Keime und die zunehmende Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Hohe Nitratbelastungen kommen unter anderem daher, dass Reste die bei der Tierhaltung entstehen, zum Beispiel hochkonzentrierte Gülle, auf die Felder gebracht wird. Im Film begleitet man zwei Männer vom BUND, die die Wasserqualität in Deutschland messen. Sie Messen an einer Quelle einen Nitratwert von 189,4mg pro Liter. Das ist mehr als das dreifache des vorgeschriebenen Grenzwertes und etwa 18 mal so viel wie der Normalwert. Auch Antibiotikaresistente Keime können zum Problem werden, auch für die die sich bewusst gegen Fleisch entscheiden. Diese Keime können ebenfalls in Grundwasser gelangen und sind nur sehr schwer herauszufiltern. So kann selbst ich als Veganer diese Keime übers Wasser aufnehmen. Das kann bei einer Krankheit schwere Folgen haben.

Fleisch essen
Ich denke viele kennen mittlerweile die oben beschriebenen Folgen der Massentierhaltung. Dennoch kaufen die wenigsten Fleisch mit bioqualität oder verzichten gleich ganz auf den Genuss. Für die meisten ist es immer noch ein Zeichen für Freiheit, denke ich. Früher war Fleisch ein Luxusgut, dass vor allem den Bessergestellten zur Verfügung stand. Heute ist es Billigstware und jeder kann es sich leisten. Jeder ist quasi ein "Bessergestellter". Diese Freiheit wollen sich viele natürlich nicht nehmen lassen, anders sind die manche Reaktionen (z.B. von der FDP) nicht zu erklären, wenn mal wieder die Massentierhaltung in Frage gestellt wird.
Ich kann das auch verstehen. Ich möchte außerdem niemandem die Freiheit wegnehmen Fleisch zu essen. Doch ich bin der Meinung, dass dadurch eben nicht die Freiheit und Unversehrtheit anderer leiden darf, wie sie im Artikel 2 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. Das ist für mich aber der Fall, wenn ich die oben genannten Beispiele anschaue.


Fazit:
Wenn man unbedingt der Meinung ist Fleisch essen zu wollen, dann soll man es ruhig machen, doch dann darf es nicht so produziert werden. Das "zwingt" einen vielleicht weniger Fleisch zu essen und mehr Geld dafür auszugeben, doch das sollte einem die Freiheit doch wert sein, oder?

Kommentare:

  1. Finde den Text sehr interessant, aber das Fazit ganz besonders treffend: "..., doch das sollte einem die Freiheit doch wert sein, oder?"

    So frei sind wir nicht beim Thema Fleisch-Essen. Werden wir doch von Kind auf mit Fleisch gefüttert und wird uns doch permanent von verschiedenen Säulen und Systemen (Medien, Ärzten, Wissenschaft und der eigenen Familie) eingetrichtert wie gesund Fleisch doch ist. Die "Freiheit" Fleisch zu essen hat man nicht. Es ist der Normalzustand und reine Kopfsache. Erst wenn man von selbst aus die Augen öffnet und den Normalzustand beginnt zu hinterfragen kann man frei sein für eine Entscheidung. Aber dafür muss man sich halt erst mal informieren.

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    1. Marc-David Herrmann24. Juli 2013 um 14:47

      Sehr interessanter Ansatz, dass man Fleisch essen an sich keine Freiheit ist. Darüber habe ich garnicht so nachgedacht, als ich das geschrieben habe.

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