Hallo meine Freundinnen und Freunde!

Mein Name ist Jenny, ich bin zur Zeit 20 Jahre alt und das ist mein Blog.
Hier geht es um meine Gedanken zu ökologischen Themen wie Umweltschutz, Tierschutz, Vegane/Vegetarische Lebensweise und vieles mehr.
Ich bin stets zu konstruktiven Diskussionen bereit, ja sogar erfreut, auch wenn ihr eine andere Meinung habt als ich.
Ich möchte niemanden meine Meinung aufzwingen und tolleriere andere Ansichten, solange sie nicht diskriminierend, beleidigend oder anderwältig verfassungsfeindlich sind.
Sonst bin ich für alles offen! =)

Mittwoch, 5. Februar 2014

Gastbeitrag von Marc: Wie man die Welt ein kleines bisschen besser machen kann; heute: Moderne Sklaverei


Vor etwas mehr als zwei Monaten hatte ich hier einen Beitrag veröffentlicht, bei dem es um das Thema CO2 ging. Ich sagte damals, dass daraus vielleicht eine kleine Reihe werden könnte, in der es darum geht, wie man die Welt ein kleines bisschen besser machen könnte. Tatsächlich sind mir vor einigen Tagen zwei weitere Themen eingefallen, die meine kleine Reihe zu einer Trilogie heranwachsen lässt (bzw. sie zuerst einmal überhaupt zur Reihe macht).

Was ist Moderne Sklaverei?

Der heutige Post beschäftigt sich mit dem Thema Moderne Sklaverei. Was Sklaverei ist und dass sie eigentlich auf der ganzen Welt abgeschafft ist, das wisst ihr ja sicherlich schon. Doch was ist Moderne Sklaverei? Laut "Planet Wissen" versteht man unter Moderne Sklaverei "politische Gefangenschaft, Kinderarbeit, Zwangsprostitution, Rekrutierung von Kindersoldaten sowie die klassischen Formen der Leibeigenschaft und wirtschaftlichen Ausbeutung." Wie viele Menschen genau in Sklaverei leben lässt sich natürlich nicht genau sagen, aber die IAO (Internationale Arbeiterorganisation) geht davon aus, dass weltweit über 27 Millionen Menschen in Sklaverei leben. Viele Sklaven sind noch Kinder und arbeiten beispielsweise als Schuldknechte in der Seidenproduktion oder in der Landwirtschaft. Auch in Minen oder als Dienstleister müssen Kinder unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten.
Die beiden prominentesten Beispiele für Moderne Sklaverei und die Ausbeutung von Menschen sind wohl die morgen beginnenden Olympischen Winterspiele in Sotschi und die Fußball-WM 2022 in Katar. Bei beiden Großveranstaltungen sollen Arbeiter systematisch ihren Rechten beraubt, ausgebeutet und unterdrückt wurden sein. Hier und hier habe ich mal zwei Berichte über Katar und hier und hier zwei über die Olympischen Spiele in Sotschi.

Was können wir tun, um Moderne Sklaverei zu verhindern oder zumindest die Zahl der Menschen die in Sklaverei leben zu minimieren?

Wie viele Sklaven arbeiten für mich?

Bevor ich diese Frage beantworte, möchte euch zu aller erst die Seite slaveryfootprint.org vorstellen. Auf dieser Seite könnt ihr errechnen wie viele Sklaven für euch arbeiten beziehungsweise für die Produkte die ihr konsumiert. Die Seite ist leider auf Englisch und manchmal etwas verwirrend. So muss man in elf Schritten angeben, welches Konsumverhalten man hat, wie viele technische Geräte man Zuhause hat und so weiter. Das kann man pauschal machen oder über Feineinstellungen, die man über ein Zahnrad am linken Bildschirmrand erreicht. Ich bin mir aber nicht wirklich sicher, ob die Seite die Feineinstellungen immer übernimmt oder nicht. Das ist die Sache, die nicht ganz optimal gelöst ist, finde ich.
Recht gelungen dagegen sind die kleinen Informationen darüber wie und wo Moderne Sklaverei stattfinden. Die findet man auf der rechten Seite in kleinen hellblauen Kästchen. Dort steht beispielsweise in der Kategorie über Kosmetik: 
"How do I look in this dirt?
Every day tens of thousands of American women buy makeup. Every day tens of thousands of Indian children mine mica, which is the little sparklies in the makeup."
Wenn man dann alle Angaben gemacht hat, bekommt man sein Ergebnis mit der Anzahl der Sklaven die für einen arbeiten. Hier könnt ihr mein Ergebnis sehen:




Im Anschluss an die Auswertung kann man dann an verschiedenste Firmen aus den Bereichen Mode, Essen oder Elektronik eine Mail schreiben, in der man sie auffordert bei ihren Produkten auf faire Arbeitsbedingungen zu achten. Interessanter Weise bekam ich sogar dieses Antwortschreiben von Nintendo:

"Hello Marc-David,
Thank you for contacting us. I’m pleased to respond on Murray’s behalf.
  
We at Nintendo take our social responsibilities as a global company very seriously and expect our production partners to do the same. Although Nintendo outsources the manufacture and assembly of all Nintendo products to our production partners, we are committed to an ethical policy on sourcing, manufacture and labor, and we expect our production partners to take those responsibilities seriously as well.
  
In order to ensure the continued fulfillment of our social responsibility throughout our supply chain, we established the Nintendo Corporate Social Responsibility (CSR) Procurement Guidelines in 2008 and then revised them in 2011 to provide a specific guide for our production partners regarding socially responsible procurement practices, which are based on relevant laws, international standards and guidelines that focus on protecting human rights, ensuring workplace safety, promoting corporate ethics, and safeguarding the environment.
  
All of Nintendo’s production partners have agreed to comply with the Nintendo CSR Procurement Guidelines. Moreover, Nintendo visits the facilities of our lead production partners for on-site inspections to address any concerns and to provide feedback to ensure that the Nintendo CSR Procurement Guidelines are being properly implemented.
  
For more information about Nintendo’s Corporate Social Responsibility activities, please visit the following web page:  http://www.nintendo.co.jp/csr/en/index.html

Sincerely,
Nintendo of America Inc.
Brendan Johanson-Dong"
Ich weiß nicht ob das eine automatische Antwort ist, aber ich habe eigentlich das Gefühl, dass die Mail mehr oder weniger persönlich beantwortet wurde. Und selbst wenn nicht, ist das mehr als ich von den anderen Firmen bekommen habe, ganz abgesehen davon, dass ich selbst auch keine persönliche Mail geschrieben habe, sondern auch nur die vorgefertigte von slaveryfootprint.org.

Was kann ich tun, um meinen Fußabdruck kleiner werden zu lassen? 
Zum Schluss kommen wir also zu der Frage, was wir ganz konkret gegen Moderne Sklaverei tun können. Wie man bei slaveryfootprint.org sicherlich bemerkt hat, hängt vieles mit dem eigenen Konsum zusammen. Indem man beim Einkaufen darauf achtet was man kauft und woher die Sachen kommen, kann man seinen Fußabdruck ganz einfach verringern.
Beim Essen kann man beispielsweise darauf achten, dass die Lebensmittel aus regionaler Herkunft stammen und nach Biostandarts produziert sind. Das Risiko, dass diese Lebensmittel unter Ausbeutung hergestellt werden, ist geringer als bei konventionellen überregionalen Lebensmitteln. Wenn man sich seine Lebensmittel beispielsweise beim Bauern um die Ecke holt (soweit einem das möglich ist), kann man sich die Bedingungen vor Ort selbst anschauen.

Worauf man beim Einkauf auch achten kann ist dieses Symbol:

Quelle: http://www.utopia.de/galerie/label-guetesiegel-verbraucher-labelonline/7

Das Fairtrade-Siegel der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) soll garantieren, dass die Produzenten fair bezahlt werden, indem sie Mindestpreise für ihre Produkte bekommen. Kinderarbeit und Zwangsarbeit ist hierbei verboten. Am bekanntesten ist dieses Siegel wohl bei Kaffee, der den größten Teil des Umsatzes von Fairtradeprodukten ausmacht.

Im Bereich der Bekleidung gibt es beispielsweise die Fair Wear Foundation, die mit Unternehmen und Fabriken zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu verbessern. Bekannte Marken aus Deutschland, die mit der Fair Wear Foundation zusammenarbeiten sind beispielsweise Jack Wolfskin oder blutsgeschwister.
Quelle: http://www.hogn.de/2013/03/04/3-so-schauts-aus/ausprobiat-so-schauts-aus/nachhaltig-shoppen-kleidung-besserwisser-garhammer-oko-siegel/21553/attachment/fair-wear-foundation-logo


Andere Marken findet ihr auf der Webseite der Organisation, die ich euch hier verlinke. Dort gibt es auch ein kleines Video, in dem sie erklären wie ihre Arbeit funktioniert.

Es gibt natürlich noch viel mehr Sozialsiegel auf die man achten kann (wie das immer so ist mit Siegeln). Eine kleine Liste, mit mehr als den gerade genannten Siegeln, habe ich euch hier mal verlinkt.

Bei elektrischen Geräten wird die ganze Sache etwas schwieriger. Viele Hersteller betonen zwar oft, dass sie auf soziale Standards achten und auch ihre Zulieferer darauf hinweisen, dass diese doch bitte auch faire Arbeitsbedingungen schaffen sollen, aber Verpflichtungen sind das nicht. Und da es in diesem Bereich (meines Wissens nach) auch keine Siegel oder ähnliches gibt, kann man auch schwer nachprüfen, inwiefern die Hersteller tatsächlich darauf achten wo und unter welchen Bedingungen ihre Produkte her sind/gefertigt werden.
Selbst Initiativen wie die von Fairphone, die sich das Ziel gesetzt haben ein möglichst faires Mobiltelefon zu produzieren, gelingt es nicht 100%ig dies zu realisieren. Hier bleibt also noch einiges zu tun.

Eine andere Möglichkeit sich gegen Moderne Sklaverei zu engagieren ist es Firmen auf das Thema aufmerksam zu machen. Dies kann beispielsweise mit einer E-Mail geschehen, in der man eine Firma darum bittet sich für faire Arbeitsbedingungen und gegen Ausbeutung bei der Fertigung ihrer Produkte einzusetzen oder die Lieferketten transparent zu machen, damit man als Konsument verfolgen kann woher die Produkte stammen.
Oder man versucht die Regierung auf das Thema aufmerksam zu machen. Diese kann sich dann auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass andere Staaten sich gegen Moderne Sklaverei einsetzen.
Wenn Unternehmen und Regierungen merken, dass in diesem Bereich der Druck für Änderungsbedarf größer wird, dann müssten auch sie sich verstärkt darum Bemühen etwas zu verändern. Aber erst müssen wir etwas ändern wollen, denn da fängt es an.

Kommentare:

  1. Marc-David Herrmann6. Februar 2014 um 11:32

    Noch ein kleiner Nachtrag:

    Ich wollte an dieser Stelle noch ein Beispiel für Moderne Sklaverei in Deutschland anbringen, gegen die man eigentlich auch sehr einfach etwas unternehmen kann. Es geht um die Fleischindustrie mit ihren Megaschlachhöfen. Dort arbeiten zumeist Osteuropäer für niedrigste Löhne und unter teilweise katastrophalen Bedingungen, die sich in Deutschland wahrscheinlich niemand bieten lassen würde. Und warum das ganze? Weil das Fleisch möglichst billig produziert werden soll, denn die Kunden verlangen es ja so! Auch das ist also ein Grund mal über den Fleischkonsum in unserer Gesellschaft nachzudenken und ob es wirklich immer das Billigste vom Billigsten sein muss. Faire Preise bringen vielleicht auch faire Löhne.

    Ich verlinke euch zu diesem Thema auch nochmal ein bisschen was, wenn ihr mehr erfahren wollt:

    http://www.blickinsland.at/news-standard/news-detail/article/sklavenloehne-bei-deutschen-schlachtbetrieben-6993/abp/1.html

    http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/fleischindustrie115.html

    http://www.derwesten.de/wirtschaft/moderne-sklaverei-kritik-an-arbeitsbedingungen-in-fleischindustrie-id8269276.html

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  2. Marc-David Herrmann7. Februar 2014 um 19:31

    Zufälliger Weise hat "Der Freitag" zum Thema Katar letzte WOche auch etwas geschieben:

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/beute-der-ausbeuter/view

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