Hallo meine Freundinnen und Freunde!

Mein Name ist Jenny, ich bin zur Zeit 20 Jahre alt und das ist mein Blog.
Hier geht es um meine Gedanken zu ökologischen Themen wie Umweltschutz, Tierschutz, Vegane/Vegetarische Lebensweise und vieles mehr.
Ich bin stets zu konstruktiven Diskussionen bereit, ja sogar erfreut, auch wenn ihr eine andere Meinung habt als ich.
Ich möchte niemanden meine Meinung aufzwingen und tolleriere andere Ansichten, solange sie nicht diskriminierend, beleidigend oder anderwältig verfassungsfeindlich sind.
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Freitag, 31. Oktober 2014

Es gehört zum Menschsein..?

Eigentlich wollte ich heute ja etwas anderes bloggen, doch als ich über diesen Kommentar auf Welt.de gestoßen bin, musste ich mich erstmal dazu äußern:
"Es gehört zum Menschsein, Tiere zu essen" - Eckhard Fuhr
Wegen der Gefahr, dass sich meine Gedanken überschlagen könnten, werde ich mich diesem Glanzstück aus der Sammlung "Der Springer-Verlag gegen Veganer und andere Gutmenschen" einfach von oben nach unten widmen.

Der Titel dieses Kommentars ist ja schon mal eine ganz steile These. Ich frage mich, was der liebe Herr Fuhr denn unter dem "Menschsein" versteht, abgesehen davon, dass das Verspeisen von Tieren obligatorisch ist. Generationen von Philosophen haben sich diesem Thema angenommen und keine endgültige Antwort gefunden - Eckhard Fuhr scheinbar schon. 
In dem kurzen Abschnitt unter der Überschrift greift er das Argument auf, was jeder Veganer schon mal gehört hat. "Wer behauptet, Kühe und Ziegen hätten die gleichen Rechte wie Menschen, stellt sich gegen die Natur." Interessant, wenn man bedenkt, dass Rechte nur ein menschengemachtes Konstrukt sind, welche überhaupt nichts mit Natur zutun haben. Sollten wir Menschenrechte also auch einfach wieder abschaffen? 
Darauf folgend bezeichnet der Autor Hilal Sezgins Werk "Artgerecht ist nur die Freiheit" als "Tierrechtspamphlet" und prangert an, dies nun von der bpb subventioniert und teilweise verschenkt wird.  Ich denke der Spruch "wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen" passt hier grandios, denn polemischer als dieser Kommentar kann ein journalistisches Schriftstück kaum sein. Und warum sollte der Staat nur Texte fördern, die Tierprodukte als gut, gesund und unverzichtbar darstellen? 
Zum nächsten Absatz kann ich mich leider kaum äußern, da ich "Artgerecht ist nur die Freiheit" bisher nicht gelesen habe. Es würde mich jedoch wahnsinnig interessieren, inwiefern darin unsere Verfassungsordnung in Frage gestellt wird. Da Herr Fuhr seiner Pflicht zur genauen Quellenangabe nicht nachgekommen ist, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn jemand von euch was dazu sagen kann. Ist jemandem etwas in der Richtung aufgefallen?
Nun echauffiert sich der Autor darüber, wie Frau Sezgin dem Menschen nur das Recht absprechen kann, Tiere zu nutzen. Ich wüsste nichts davon, dass der Mensch dieses Recht tatsächlich hat. Steht es irgendwo festgeschrieben? Wie eingangs schon erwähnt, sind Rechte ausschließlich menschengemacht, also hat sich der Mensch dieses Recht, wenn es dieses überhaupt gibt, einfach genommen.  Von einem absoluten und auf jeden Fall als "gut" gegebenen Recht, Tiere zu nutzen, kann und darf nicht die Rede sein.
Sehr interessant finde ich das Empfinden des Autors, was den Veganismus allgemein angeht. Seine Beschreibung im nächsten Abschnitt klingt sehr danach, als hätte er Angst. Für mich vollkommen unverständlich, denn ich teile seine Meinung, dass der Veganismus längst "Mainstream" ist, überhaupt nicht. Als VeganerIn muss man sich beinahe überall rechtfertigen. Und als TierrechtlerIn sowieso. Übrigens sind beide Gruppen nicht das gleiche, Herrn Fuhr ist das leider nicht aufgefallen.
In einem Ton, der sehr nach "Wie kann man nur so dumm sein?" klingt, beschreibt Eckhard Fuhr mehr oder weniger oberflächlich die Ansichtsweise von TierrechtlerInnen, nämlich dass Tiere Grundrechte haben sollen, obwohl sie selbst kein Rechtsbewusstsein haben. Stimmt soweit, und warum dies so ist, hat er ja selbst gut zusammengefasst. Auch Kinder oder geistig Behinderte haben zum Teil (noch) kein Rechtsbewusstsein. Also sollte ihn doch spätestens jetzt die Einsicht erlangt haben oder nicht?
Aber nein, er stempelt im nächsten Abschnitt das Alles als Schwachsinn ab. Warum ist mir schleierhaft, denn sein einziges Argument klingt in etwas so: "Es wäre doch absurd wenn Heringe und Sardinen Persönlichkeitsrechte hätten, deswegen haben Tiere keine Rechte!" War das jetzt wirklich überzeugend?
Darauf folgend erläutert der Autor, Tiere sollten keine Rechte bekommen, weil wir es ja kaum schaffen die Menschenrechte weltweit zu wahren und Löwen trotzdem noch Antilopen essen dürfen. Damit sei angeblich der Universalismus verloren und damit auch alle Grundrechte für jedes Lebewesen. Dass das Blödsinn ist, sollte jedem klar sein, schließlich sind wir Menschen doch die mit Rechtsbewusstsein und nicht die Tiere. Und auch Menschenkinder haben, wie schon erwähnt, kein Rechtsbewusstsein. Nur weil sie andere Kinder mit einer Schaufel hauen, darf ein Erwachsener Mensch auch Kinder mit einer Schaufel hauen?
Danach stellt der Autor eine These auf, die ich schon jetzt vehement zurückweise. Seiner Meinung nach wird das Auflösen der Mensch-Tier-Dualismus dazu führen, dass nicht nur Haustiere sondern auch kranke Großeltern oder Kinder eingeschläfert werden. Ich möchte an dieser Stelle keinesfalls die Debatte über aktive Sterbehilfe eröffnen, jedoch werde ich euch kurz meine Position erläutern. Wenn die Oma in ihrer Patientenverfügung darum gebeten hat, unter bestimmten Bedingungen aktive Sterbehilfe zu erfahren, soll man ihr diese gewähren. Hat sich die Oma, das Kind oder der Hund jedoch nicht dazu geäußert, ggf. weil er oder sie es einfach nicht konnte, sollte man sich in allen Fällen sehr damit zurück halten, das Leben einfach für beendet zu erklären sondern tun, was in der individuellen Macht steht. Das kann man natürlich auch anders sehen, aber dann sollte man konsequent sein. Warum ist es okay, den krebskranken Hund einzuschläfern aber nicht die krebskranke Oma? Fällt euch das Paradoxon auf?
Ich kenne keinen Tierrechtler, der an dieser Stelle relativiert, so wie es Herrn Fuhr hier behauptet. Schließlich stellt er selbst richtig fest, dass TierrechtlerInnen nicht nur gegen Massentierhaltung, sondern allgemein gegen Tierhaltung sind. Wo ist also das Problem?
Oh, jetzt kommt eines meiner Lieblingsargumente: "Früher war die Tierhaltung doch in Ordnung, jetzt können wir es wieder genauso machen und alles ist gut." Nicht alles was früher war, ist gut. Mord und Vergewaltigung gab es schon immer, richtiger wird es deswegen trotzdem nicht, oder?
Der letzte Abschnitt des Kommentars ist meiner Meinung nach der schlimmste: "Dass ihm als vielleicht wichtigste Kulturleistung seiner Geschichte die Domestikation von Tieren gelang, ist ohne diese Disposition nicht zu verstehen. Es gehört zum Menschsein, Tiere zu lieben und sie zu essen, sie zu pflegen, zu schützen und zu töten. Wer darf sich anmaßen, das einfach für beendet zu erklären?" Ich frage mich an dieser Stelle eher: Wer darf sich anmaßen, sich selbst als höchste und moralischste Spezies zu bezeichnen aber trotzdem alle Grausamkeiten gegen andere Geschöpfe damit rechtfertigen, dass es schon immer so passiert ist?

1 Kommentar:

  1. Und von wegen: "Früher war die Tierhaltung doch in Ordnung, jetzt können wir es wieder genauso machen und alles ist gut."

    Klar wäre eine solche Veränderung um einiges besser als die Situation jetzt ist, auch wenn es noch lange nicht perfekt wäre! Aber man sollte nicht vergessen, wer die ersten sind, die auf die Palme springen, wenn z.B. die Grünen wieder mehr Tierschutz in der Tierhaltung fordern! Ganz vorne mit dabei: Springer, CDU und der "Bauern"verband! Die sollen mal nicht so tun, als ob sie für eine Landwirtschaft wie früher sind. Natürlich will "niemand" die Massentierhaltung, aber was dagegen tun tut auch niemand! Oder wie kann es sonst sein, dass 98 Prozent!!! des in Dtl. verzehrten Fleisches aus Massentierhaltung stammt? Schön reden kann jeder, aber wenn es darum geht etwas zu machen, dann sieht die Sache gleich ganz anders aus! -.-

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